DAS INTERVIEW: 3 Fragen an Dr. Sonja Lechner

DAS INTERVIEW: 3 Fragen an Dr. Sonja Lechner

Dr. Sonja Lechner, Kunsthistorikerin und seit 2001 selbständige Kuratorin und Rednerin. Sie kuratiert mit ihrem Team Ausstellungen in Museen, Galerien und Unternehmen. Letztes Jahr im Oktober konnte ich mich persönlich in München auf der HIGHLIGHTS Internationale Kunstmesse 2020 überzeugen. Es war wundervoll interessante Geschichten über einige Exponate zu hören.

Wenn Frau Dr. Lechner nicht in Kunstwegen unterwegs ist, dann wird sie als Vortragsrednerin für meist philosophische Themen gebucht. In Diskussionsrunden, wo ein geisteswissenschaftlicher Blick auf wirtschaftliche Fragestellungen geworfen wird, ist sie als Moderatorin bevorzugt.

2015 gründete Frau Dr. Lechner den „Ladies Art Lunch“, um Frauen in Führungspositionen zu vernetzen und sich füreinander einzusetzen. Starke Frauen aus verschiedenen Branchen zusammenzubringen, gemeinsam durch Diversität punkten und den Wunsch haben, etwas zu bewirken und zu gestalten.

1) Welche Rolle spielt der weibliche Blick bei Ihrer Arbeit?

Der weibliche Blick spielt insofern eine Rolle, als dass der Kunstmarkt natürlich die gesellschaftlichen Gegebenheiten wiederspiegelt – nicht nur in der Vielfalt künstlerischer Perzeptionen, sondern auch in der Tatsache, dass Künstlerinnen noch immer nicht im gleichen Maße im monetären Ranking, in den musealen Ankäufen wie im Ausstellungsbetrieb gewürdigt werden wie Künstler. Ich versuche durch meine Arbeit also auch verstärkt weiblichen Positionen Sichtbarkeit zu verleihen.

2) Wie reagieren Menschen, wenn Sie sie das erste mal mit Kunst in Berührung bringen?

Diejenigen, die sich an uns wenden, um eine Sammlung aufzubauen, sind in der Regel meist bereits seit Jahren im Kunstmarkt aktiv. Kinder jedoch, die ich durch Ausstellungen führe, sehen oft zum ersten Mal Kunst aus vergangenen Zeiten: Jedes Mal wird mir dann wieder bewusst, dass wir vor Erfindung der Fotografie kein Bild im Wortsinne von der Vergangenheit hätten, gäbe es die Kunst nicht – sie führt uns das „Damals“ vor Augen. Für Kinder ist es immer eine Quelle der Freude auf Werken Mode, Einrichtungsgegenstände oder Essgewohnheiten früherer Zeiten zu entdecken und bei vielem festzustellen, dass sich das Wesentliche nicht essentiell von unserer heutigen Zeit unterscheidet.

3) Was empfehlen Sie in der aktuellen Zeit, um optimistisch in die Zukunft zu blicken? Wie kann uns die Kunst dabei helfen?

Künstler haben sich stets mit den Zeitumständen auseinandergesetzt: Die Pestilenzen vergangenen Zeiten fanden direkt oder indirekt Einzug in die Kunst. In Venedig etwa begann die Pest ab 1348 zu wüten und sollte die Stadt in Wellen über drei Jahrhunderte immer wieder heimsuchen. Künstler reagierten, indem sie dem Unabänderlichen das entgegen setzten, was sie ändern konnten, was Ihnen noch Handlungshoheit gab: Kunst zu schaffen. Als setzten sie der Vergänglichkeit um sie herum die Unvergänglichkeit der Kunst entgegen, entstanden gerade in dieser Zeit diejenigen Meisterwerke, die wir bis heute bestaunen: „Vita brevis, ars longa!“ Kunst kann uns also auch heute vor Augen führen, dass die Menschheit immer wieder mit Epidemien konfrontiert worden ist, und dass uns auch dieses Mal das Besinnen auf die Künste, auf die Schönheit von Kunst, Literatur oder Musik helfen kann, diese durchzustehen.

Lieben Dank Ihnen, liebe Frau Dr. Lechner für Ihre offenen und inspirierenden Worte. Dr. Sonja Lechner Kunsthistorikerin und selbständige Kuratorin.

Und hier gelangst du zum ersten Interview, aus der Reihe “3 FRAGEN AN: DAS INTERVIEW” im November 2020. Janine Dudenhöffer, bekannt als “The Sustainable Stylist”.

Zum Interview vom Januar kommst du hier Angelika Schindler-Obenhaus CCO der Gerry Weber Group

One Response

  1. Liebe Bianca,
    was für eine tolle Sicht auf die Dinge und die Kunst!
    Das fand ich sehr spannend und interessant, und auch nachvollziehbar.
    Vielen Dank für diesen Einblick.
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
    Nicole

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