DAS INTERVIEW: 3 Fragen an Jutta Speidel

DAS INTERVIEW: 3 Fragen an Jutta Speidel

Jutta Speidel ist nicht nur deutsche Schauspielerin, Autorin, Synchronsprecherin und Mutter. Sie ist auch Gründerin. Sie gründete 1997 eine gemeinnützige Initiative, die obdachlosen Kindern und deren Müttern Schutz und ein Dach über den Kopf bietet.

Ich persönlich durfte 2019 das neue HORIZONT-Haus im Domagkpark kennenlernen. Ein Ort der Begegnung und Freude. Hier ist jeder Willkommen – Vernetzung und Integration stehen im Fokus. Mit seinen soziokulturellen Einrichtungen bringt das Haus Bewohner und Nachbarn zusammen. Im Restaurant habe ich bereits des Öfteren bei einem Cappuccino über mögliche Projekte gesprochen. In der Kulturbühne Veranstaltungen beigewohnt im Garten beim Sommerfest gelacht und die Kindertagestätte mit ihren kleinen Zwergen beobachtet. Gefallen an den Kinder- und Jugendwerkstätten gehabt, wo sie unter pädagogischer Anleitung mit Holz und Metall kreativ werden und somit Selbstbewusstsein erlangen und ihre handwerklichen Fertigkeiten üben können. Das Thema Töpfern fand ich ganz spannend, da ich als Kind ebenso in einer Arbeitsgemeinschaft “Töpfern” war.

Jutta Speidel mit zwei jungen Mädchen an ihrer Seite in ihrer Stiftung HORIZONT e.V.
Fotocredit ©Dirk Schiff

1) Sie haben 1997 aus einem Impuls heraus den Verein Horizont gegründet. War es zur damaligen Zeit schwierig, sich für ein gemeinnütziges Projekt, Gehör zu verschaffen? Als Frau? Und würden Sie es immer wieder tun?

Ich konnte es schlichtweg nicht mit ansehen, wie obdachlose Frauen mit Kindern auf der Straße leben oder in heruntergekommenen Pensionen. So auch in der Maxvorstadt, in der ich damals drehte und ich das live und in Farbe mitbekommen habe. Ich war geschockt! Welch unglaublicher Missstand in einer der teuersten Städte Deutschlands. Da kann ich als impulsiver und zupackender Mensch nicht einfach wegschauen. Damals wurde ich – ob als Frau oder als Mensch, ich weiß es nicht – mit meiner Projektidee nicht ernst genommen, sondern oft belächelt. Ich solle mich lieber auf meine Schauspielerei konzentrieren, ich war ja zudem Mutter zweier kleiner Kinder, also lieber doch für sie da sein und nicht gesellschafts-politisch aktiv werden und gar einen Verein für obdachlose Mütter und ihren Kindern gründen.

Das waren echt harte Zeiten für mich, bis ich mir Gehör verschafft habe und an die richtigen Unterstützer kam, die uns auch heute noch zur Seite stehen. Ich selbst hatte immer fest das Ziel im Blick, mich in meiner Geburtsstadt München ernsthaft für sozial Benachteiligte zu engagieren. Das tue ich bis heute, sehr erfolgreich mit meinem gemeinnützigen Verein HORIZONT, der seit Gründung mehr als 2.500 Menschen nachhaltig helfen konnte. Wir betreiben sehr erfolgreich zwei HORIZONT-Häuser in München, ein Schutzhaus für wohnungslose Mütter mit ihren Kindern und eines für sozial benachteiligte Familien in München mit vielen soziokulturellen Angeboten, mitten im Domagkpark. Ich bin jedenfalls sehr stolz auf das, was wir im HORIZONT-Team gemeinsam geschaffen haben und ja, ich würde es, trotz aller Widerstände, wieder tun. 

2) Was wünschen Sie sich für die Zukunft von der Gesellschaft und was planen Sie?

Eine Gesellschaft ohne Gewalt, ohne soziale Ungerechtigkeiten, ohne Missstände, ja das wäre mein ganz großer Herzenswunsch. Indem ich meinen Verein weiter erfolgreich ausbaue und neue Projekte vorhabe, setze ich im Kleinen an. So bauen wir ein weiteres Schutzhaus, das wohnungslosen Müttern mit ihren Kindern ein sicheres Dach über dem Kopf geben und ein integriertes Gesundheits- und Therapiezentrum niederschwellige Hilfe bieten wird. 

3) Es hat nicht jeder ein größeres Vermögen, welches gespendet werden kann. Wie können wir im „Kleinen“ Ihre Stiftung unterstützen?

Wir freuen uns wirklich über jede Art von finanzieller Unterstützung. Wenn ihr, liebe Leser, heute zum Beispiel 5 Euro in die Hand nehmt, können wir schon viel damit anfangen. Denn wir helfen auch jetzt unseren Schulkindern im HORIZONT-Haus und schenken ihnen eine warme und vor allem gesunde Mahlzeit vor der täglichen Hausaufgabenbetreuung. Diese findet ja nach wie vor bei uns – unter angepassten Coronabedingungen – statt. Auch hilfreich ist für uns immer, wenn wir haltbare Lebensmittel gespendet bekommen, wie Nudeln oder Reis, aber auch Babynahrung und Hygieneartikel für unsere Bewohner*innen. Nützliches für Mütter mit ihren Kindern, die es sowieso schon schwer genug haben und noch vor größeren herausfordernden Zeiten stehen. 

Jutta Speidel mit zwei jungen Mädchen an ihrer Seite in ihrer Stiftung HORIZONT e.V.
Fotocredit ©Cordula Treml

Lieben Dank Ihnen, liebe Frau Speidel für Ihre offenen und auch hoffenden Worte. Jutta Speidel, Gründerin ihrer Stiftung HORIZONT e.V.


Zum Interview vom April 2021 >>> Julia Leifert Gründerin Ihres Gleichnamigen Labels Julia Leifert.

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Zum Interview vom Februar 2021 >>> Dr. Sonja Lechner Kunsthistorikerin und selbstständige Kuratorin.

Zum Interview vom Januar 2021 >>> Angelika Schindler-Obenhaus CCO der Gerry Weber Group.

Zum Interview vom Dezember 2020 >>> Janine Dudenhöffer bekannt als “The Sustainable Stylist”.

4 Responses

  1. Liebe Bianca,
    vielen Dank für dieses tolle Interview mit Jutta Speidel, die ich sehr bewundere. Sie kann so stolz darauf sein, was sie mit ihrem Verein geschafft hat! Ein bisschen in mich hineinlächeln musste ich auch, wenn sie erzählt, dass man sie am Anfang nicht ernst genommen hat. Sie hat es allen gezeigt!
    Überhaupt gefällt mir die Reihe mit den Interviews sehr gut. Bitte mehr davon!
    Liebe Grüße
    Erika

    1. Ach Erika, lieben Dank dir für dein Kompliment zu meiner Interview-Reihe. Das freut mich ungemein. Und ja, Jutta Speidel hat es allen gezeigt – zum Glück ist sie hartnäckig geblieben. Liebe Grüße zurück, liebe Erika.

  2. Liebe Bianca,
    Jutta Speidel ist nicht nur eine tolle, sondern auch eine warmherzige Frau. Ich finde es großartig, wenn Menschen sich einsetzen und ins Tun kommen. Gerade und besonders auch für Kinder.
    Danke für dieses tolle Interview.
    Liebe Grüße
    Nicole

    1. Sie gibt so viel, liebe Nicole und ist ein wirklich großes Vorbild. Danke dir, liebe Nicole.

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