Spannende Frage: Ist Mode oberflächlich?

Spannende Frage: Ist Mode oberflächlich?

Für Mode und Kosmetik investieren viele Frauen im Schnitt nicht nur einen Großteil ihres Gehalts, sondern auch jede Menge Zeit. Das scheint selbstverständlich zu sein für Viele von uns. Doch was sind eigentlich die entscheidenden Faktoren, welche uns dazu beeinflussen so viel Geld und Zeit in unser Äußeres zu investieren? An dieser Stelle ist das Thema Selbstmarketing zurzeit in aller Munde. Da ich mich als Stilberaterin beruflich mit dem Äußeren von Frauen auseinander setze finde ich diese Thematik natürlich mehr als spannend und habe mich dazu mit Frau Prof. Dr. Paula-Irene Villa Braslavsky getroffen, die als Lehrstuhlinhaberin für allgemeine Soziologie und Gender Studies an der LMU München einen interessanten Standpunkt zu diesem Thema vertritt.

Für Mode und Kosmetik investieren wir einen Großteil unserer Zeit und unseres Geldes

Im Schnitt geben deutsche Frauen rund 200 bis 540 Euro monatlich für Kosmetik Produkte aus, mindestens genauso viel für neue Mode. Das ist also eine große Spanne, zeigt aber auch: Kosmetik und Mode sind Frauen Einiges wert. Hinzu kommt auch der Zeitfaktor. Die Zeit im Bad, wenn man sich für den Tag beziehungsweise die Nacht fertig macht. Termine beim Friseur oder bei der Kosmetikerin. All das ergibt eine ordentliche Summe pro Monat. Doch was bewegt uns eigentlich dazu, genau das zu tun?

Wie sehr nimmt uns das Thema Selbstmarketing ein?

Kürzlich habe ich einen interessanten Artikel der Süddeutschen Zeitung gelesen. Redakteurin Meredith Haaf geht hierbei der Frage “Wozu schön sein wollen?” nach, und bringt einige spannende Thesen auf den Tisch. Wir leben heutzutage in einer modernen Gesellschaft, in der Gleichberechtigung groß geschrieben wird. Dennoch gibt es einen Lebensbereich, der vor allem Frauen betrifft: Das Selbstmarketing. Schönheits-Standards werden uns schon von klein auf in die Wiege gelegt und für Frauen scheinen sie deutlich höher zu liegen als für Männer. Das geht laut dem Artikel von Frau Haaf sogar soweit, dass auch der Erfolg im Job damit zusammenhängt. Frauen können genauso smart und charmant sein wie Männer. Am Ende spielt laut Frau Haaf immer wieder das eigene Schönheitsideal mit hinein. Und in diesem Punkt sind die meisten Frauen sogar strenger zu sich selbst als ihr Umfeld.

Eine Frau mit schwarzem Haar und lila farbener Bluse
Foto: Frau Prof. Dr. Paula-Irene Villa Braslavsky

Ist Mode oberflächlich?

In einem Gespräch mit Frau Prof. Dr. Paula-Irene Villa Braslavsky, Lehrstuhl-Inhaberin für allgemeine Soziologie und Gender Studies an der LMU München, möchte ich dieser spannenden Frage nachgehen. Im Duden wird Mode ganz nüchtern als “in einer bestimmten Zeit, über einen bestimmten Zeitraum bevorzugte, als zeitgemäß geltende Art, sich zu kleiden, zu frisieren, sich auszustatten” beschrieben. Doch was bedeutet Mode gezielt für jeden Einzelnen von uns? Während manche Frauen sich gezielt mit den eigenen Outfits beschäftigen und zum Beispiel zu mir in die Stilberatung kommen, gibt es Andere, die sich am liebsten gar nicht über ihr Äußeres definieren möchten beziehungsweise die Mode nur als Mittel zum Zweck sehen. In den letzten Jahren hat sich dank Fashionbloggern und Co zunehmend ein sogenannter Stilpluralismus manifestiert. Die Möglichkeiten der Mode scheinen endlos zu sein. Kann man sich dem überhaupt entziehen? Und ist es überhaupt fragwürdig daran teilzuhaben? Soziologin Prof. Dr. Paula-Irene Villa Braslavsky erklärt mir, dass wir Menschen alle eine Oberfläche haben und Oberflächen weder gut noch schlecht – und auch nicht oberflächlich – sind. Die Gestaltung, Wahrnehmung und Bewertung von Körper-Oberflächen gehören zu unserer sozialen Natur. Oberflächen sind einfach der sicht- und wahrnehmbare Teil von Personen. Auch sind Menschen diejenigen Lebewesen, die sich beim Wahrnehmen selbst wahrnehmen. Es ist sinnvoll und notwendig im Alltag Vor-Urteile zu haben, denn diese sind funktional und helfen uns in der Welt zurecht zu kommen. Allerdings gehört ebenso zum Alltag diese Vor-Urteile beim zweiten und dritten Blick zu überprüfen und den einzelnen Menschen stärker zu sehen. Tatsächlich ist es also eher eine gemachte oder betonte Nachlässigkeit. Kann man vielleicht sogar sagen, dass Mode etwas Natürliches ist und nicht Ausdruck einer künstlichen Übertreibung falscher Oberflächlichkeiten, wie in den Medien vielfach behauptet?

Für mich eine Frage, wie man es annimmt

Als Stilberaterin lerne ich viele Frauen kennen und sehe, wie sie mit Mode umgehen. Ich merke, dass es manchen schwer fällt, heraus zu finden, was sie eigentlich ausdrücken möchten. Wenn Sie dann bei mir in der Stilberatung in München waren und sich danach mit einem strahlenden Lächeln verabschieden, weiß ich wieder, was Mode noch bewirken kann: Emotionen. In meinen Augen dient Mode fernab von Schönheitsstandards auch dazu, seine eigene Persönlichkeit ausleben zu dürfen und diese zu unterstreichen. Schließlich können wir mit unserem Kleidungsstil Gefühle und Wertvorstellungen ausdrücken. Lasst uns doch Mode weniger unter dem Standpunkt eines Schönheitsideals sehen, den man (sowieso nie) gerecht wird, sondern selbstbewusst als Entfaltungsmöglichkeit unserer Persönlichkeit und unseres individuellen Stils. 

Wie siehst du das Thema? Was bedeutet Mode für dich? Ich bin gespannt auf deine Meinung. Hinterlasse mir gerne einen Kommentar oder schreibe mir eine Mail.

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One Response

  1. Liebe Bianca,
    meiner Meinung nach kann Mode durchaus oberflächlich sein. Nämlich dann, wenn du eine schöne Hülle aus Mode, aber nichts darunter entdecken kannst. Wenn sich aber jemand mit Mode auseinandersetzt, seinen Stil lebt, nicht nur kopiert oder die Marke sieht, dann kann Mode etwas sehr schönes sein: Nämlich deine Persönlichkeit unterstreichen, dich stärken (weil du dich in deiner Kleidung wohlfühlst), dir eine Ausstrahlung verleihen.
    Deshalb finde ich den Begriff der Mode dehnbar, aber spannend.
    Hab einen schönen Tag mit der Mode
    Nicole

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