Interview

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Interview

Was bedeutet Mode für Sie?
Bianca Stäglich: Ich liebe Mode und habe mich schon sehr früh dafür interessiert. Es ist schön mit ihr zu spielen. Outfits auszuprobieren. Es ist auch ein Weg um mich auszudrücken. Zu sagen was in mir vorgeht. Mit Mode kann ich mich auch austricksen und mich so fühlen wie ich es gerade möchte.

Ich merke, Sie haben einen ganz persönlichen Bezug zu Mode. Sie sehen Mode als individuell funktionierendes Tool für jeden von uns.
Bianca Stäglich: Absolut. Durch meine Ausbildung zur Schneiderin habe ich bereits früh einen persönlichen Bezug zur Mode entwickelt. Ich finde, dass jeder Mensch Einzigartig ist. Es ist für mich eine Herausforderung die Individualität eines jeden Kunden zu wahren.

Was heißt für Sie Stil?
Bianca Stäglich: Die Mischung aus Persönlichkeit, Körpersprache und Aussehen macht den unverwechselbaren Stil aus. Stil ist das gewisse Etwas, es ist eine wundervolle Art individuell mit Mode umzugehen und eine Auswahl zu treffen, die zu einem selbst passt. Stil sollte das Innere einer jeden Person reflektieren. Stil sollte sehr instinktiv und ungezwungen sein und es soll Spaß machen. Im Kindesalter sind wir unkompliziert, einzigartig und wunderbar. Wir sind wir selbst. Beim Älter werden verlieren wir meist unsere Natürlichkeit. Wir lassen uns etwas aufzwingen, weil wir meinen uns anpassen zu müssen, aber das müssen wir nicht. In der Mode gibt es Regeln die gebrochen werden möchten

Was ist für Sie die wichtigste Begabung, die ein angehender Stylist haben sollte? Was ist wichtig um auf Dauer erfolgreich zu sein?Bianca Stäglich: Ein Stylist braucht als erstes natürlich ein gewisses Gefühl und Talent für Mode und Stil. Eine Begabung sozusagen. Wir brauchen eine Art Fingerspitzengefühl. Unabhängig davon sollte man kommunikativ und gut im Umgang mit anderen Menschen sein, aber auch das Talent vom Zuhören ist wichtig. Ein Stylist sollte durstig nach neuen Informationen rund um die Mode sein. Auch sollte man insoweit gefestigt und unabhängig sein, dass man eventuelle Durststrecken aushält. Wenn man diese Kriterien erfüllt, der hat einen wunderbaren und abwechslungsreichen Job. Einfach Toll.

Kommen wir zur Mode zurück: Bei den ständig wechselnden Trends in der Mode und dem eigenen, einzigartigen Stil ist es schwierig eine Balance zu halten. Was machen Sie, um die goldene Mitte zu finden?
Bianca Stäglich: Ich sage immer „hören Sie auf Ihr Bauchgefühl“, denn das Bauchgefühl hat meistens recht. Wir dürfen nicht zu viel über die Mode nachdenken. Mode soll Spaß machen. Sie soll Lust machen neue Dinge auszuprobieren.

Dieses Bauchgefühl von dem Sie sprechen, ist dieses Gefühl nicht manchen Menschen vorbehalten?
Bianca Stäglich: Da haben Sie zum Teil recht. Karl Lagerfeld sagte einmal „Fehler im Aussehen entstehen, weil viele das tragen was sie meinen tragen zu müssen, und nicht das, was sie tragen möchten“. Viele meinen etwas Bestimmtes ausstrahlen zu müssen, jemand Bestimmtes zu sein und dabei verlieren sie ihr Gefühl zum „richtigen“ zu greifen. Es hat den Zweck sich über Mode auszudrücken, sich zu reflektieren und seine Persönlichkeit in den modischen Mittelpunkt zu stellen.

Meinen Sie, dass es in der Mode nur um Trendwechsel und Must Haves geht?
Bianca Stäglich: Individualität ist das wichtigste beim Styling. Jeder sollte, wenn es um Trends geht, seine eigene Perspektive haben. Einen eigenen Standpunkt sozusagen. Beim „gewissen etwas“ handelt es sich nicht darum Trends von Kopf bis Fuß nach zu stylen, zu reproduzieren. Trends sollen nur Anregungen sein. Wie ein kleiner Leitfaden. Das Mixen von verschiedenen Trends kreiert einen eigenen, spannenden und persönlichen Stil.

Wie entscheiden Sie sich morgens für ein Outfit?
Bianca Stäglich: Ich kenne meinen Schrank in und auswendig. In der früh – kurz vorm aufstehen entscheide ich mich für mein Outfit. Mit meiner Wahl bin ich immer zufrieden.

Das klingt so einfach, dabei quälen sich viele von uns Normalsterblichen jeden Tag mit dieser Frage!
Bianca Stäglich: Der Weg zu meinem „perfekten” Outfit führt über meinen gut sortierten Kleiderschrank! Ich sehe die Mode als ein Ereignis. Ich veranstalte ab und zu für mich zu Hause kleine Modenschaus und probiere viele Kombinationen aus. Das wichtigste ist aber, wenn im Kleiderschrank alles ordentlich und ansprechend aufgestapelt & aufgehängt wird, braucht man morgens nicht so viel Zeit, um das perfekte Outfit zu finden und man verfällt nicht in Hektik.

Sie bieten unter anderem auch einen Kleiderschrankcheck an. Was müssen wir uns darunter vorstellen?
Bianca Stäglich: Nach der Farb-, Figur- und Stilanalyse kommt der Kleiderschrank an die Reihe. Ich sortiere und organisiere mit meinen Kundinnen gemeinsam ihren Kleiderschrank nach ihren Wünschen. Rund drei Stunden dauert der Schrankcheck im Durchschnitt. Der Zeitaufwand variiert je nach Schrankgröße. Vor dem Kleiderschrankcheck sollte idealerweise eine Stilberatung und danach eine Einkaufsbegleitung (Personal Shopping) erfolgen. Die Beurteilung Ihrer vorhandenen Garderobe erfolgt praxisorientiert. Die einzelnen Stücke werden gemeinsam begutachtet und anprobiert, der gesamte Inhalt des Schrankes wird gesichtet, kritisch bewertet und eventuell neu geordnet oder aussortiert, und natürlich neue Kombinationen aus dem Bestand zusammengestellt bzw. ergänzt. Auf die Bestandsanalyse des Schrankinhalts folgt die Bedarfsanalyse. Die Kundinnen bekommen von mir Tipps, welche Kleidungsstücke fehlen, um ihre Garderobe optimal zu ergänzen, und was sie bei den Neuanschaffungen berücksichtigen sollten.

Glauben Sie, wir shoppen alle zu viel?
Bianca Stäglich: Haben wir das nicht alle schon einmal gesagt oder gedacht: „Den Kleiderschrank voll Klamotten und doch nichts anzuziehen“. Ich glaube schon dass wir zu viel shoppen. Viele laufen jedem Trend hinterher und wollen in jeder Saison das aktuellste haben, aber vielleicht steht es einem dann doch nicht oder hat sowas ähnliches bereits im Schrank. So entstehen Fehlkäufe. Mir ist es wichtig dass die Basics mit guter Qualität gekauft werden. Die modischen Highlights sollten dann gut gewählt sich zugelegt werden. Das Problem ist auch, dass viele gar nicht mehr wissen was in ihrem Kleiderschrank alles schlummert. Darum öfters den Schrank ausräumen, reinigen und während dessen dies und das wieder mal anprobieren und kombinieren.

Nicht nur für eine Saison?
Bianca Stäglich: Nein! Die Regel „alles was man 1 Jahr nicht angezogen hat kann man aussortieren“ dem pflichte ich nicht bei. Ich habe vieles was ich einige Jahre nicht angezogen habe und dann auf einmal passt es wieder perfekt zum Trend. Dann mag ich es einfach wieder. Wenn es gut in Form ist, die Farbe passt warum sollte man es wegtun. Nur weil es in dem einen Jahr nicht mehr „in Mode“ ist? Trends kommen immer wieder. Mal lauter Mal leiser. Ich möchte Bewusstsein vermitteln. Nicht einfach verschwenderisch drauf los schoppen. Wir tragen die Verantwortung als Konsumenten. Wenn man sich vielleicht nicht gleich entscheiden kann – vielleicht einfach das Geschäft verlassen und einen Kaffee trinken gehen und dann sehen, ob das eben anprobierte Teil noch im Kopf herumschwirrt.

Welche ist Ihre Lieblings-Modestadt?
Bianca Stäglich: Paris. Ich glaube einfach, dass nirgendwo auf der Welt sich die Menschen schöner kleiden. In Paris lebt die Nonchalance. Es gibt keine Vorschriften, jeder kann überall das tragen, was er möchte, und wird dabei nicht schief angeschaut. Da gibt es keine Gesetze, alle sehen auf eine altmodische Weise immer wunderbar aus. In Paris läuft man nicht so sehr den kurzlebigen Trends hinterher. Die Mode ist zeitloser. Aber, Kopenhagen finde ich auch toll. Die sind wiederrum so schnell und bunt und laut. Es ist toll dem treiben der modischen Menschen auf den Straßen zuzuschauen.

Was ist das schönste nach einem Styling Termin?
Bianca Stäglich: Es ist für mich immer wieder schön in ein glückliches Gesicht nach einem Termin zu blicken und wenn mir leuchtende Augen „Danke“ sagen. Wieder einmal alles richtig gemacht…

Das Interview führte Carolin Müller von Wortschatz – vielen Dank an Bianca Stäglich

 


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